Pelarda Formation (Azuara-Impakt, Spanien): umfassender neuer Artikel

Pelarda Fm. – Azuara Impaktstruktur (Spanien) – umfassender Artikel über eine der größten, attraktivsten und wissenschaftlich aufschlussreichsten Ejekta-Ablagerungen weltweit.

Ferran Claudin, Kord Ernstson , Wolfgang Monninger (2019): New approach to an old debate: The Pelarda Formation meteorite impact ejecta (Azuara structure, Iberian Chain, NE Spain)
PDF-Artikel, 81 Seiten, 92 Abbildungen. – Der vollständige Artikel kann HIER angeklickt werden.

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Ergänzung: 1973 erfuhr die Pelarda-Formation eine erste umfassendere wissenschaftliche Untersuchung im Rahmen einer Diplomarbeit (W. Monninger, Universität Würzburg). Wir fügen hier das digitalisierte Original seiner geologischen Karte sowie der schriftlichen Diplomarbeit zum Herunterladen an. Es ist bemerkenswert – und mit der Grund, diese Arbeit wieder in Erinnerung zu rufen – weil Anfang der siebziger Jahre in deutschen Hörsälen der Universitäten und schon gar nicht in geologischen Lehrbüchern Impakt als geologischer Prozess vorkam. Das Buch von H.J.. Melosh: Impact Cratering – A Geologic Process erschien erst 1989.

Ebenfalls 1973 fand die Tiefbohrung im Inneren des Nördlinger Ries-Kraters statt, der auch vielen Ungläubigen die reale Existenz einer Ries-Impaktstruktur näher brachte, ohne manche (viele) – auch weiterhin – davon zu überzeugen. 1973 wussten auch  Monningers Lehrer und er selber natürlich auch von Impakten auf der Erde überhaupt nichts. Umso bemerkenswerter ist es, dass seine damalige überaus sorgfältige, penibel mit tiefgreifendem geologischen Verständnis und Verstand erfasste Geologie der Pelarda-Formation ganz wesentliche Dinge beschrieb, die die spätere Einstufung als Impakt-Ejekta vorwegnahm, ohne dass – natürlich – Monninger das in seiner Diplomarbeit benennen konnte.

Die  heutigen Geländebegehungen des Mitautors W.M. lassen ihn einige wenige Dinge anders sehen als Student vor über 40 Jahren – kein Grund, an der damaligen Arbeit auch nur ein Jota zu verändern.

Diplomarbeit Monninger  * Geologische Karte Monninger

 

 

 

 

100 km: Europas größte Impaktstruktur in Nordschottland?

Neuer Artikel: Michael J. Simms and Kord Ernstson (2019): A reassessment of the proposed ‘Lairg Impact Structure’ and its potential implications for the deep structure of northern Scotland. – 

100 km Impakt-Struktur Lairg Nordschottland Gravimetrie

Bouguer Schwere-Restfeldanomalie der sich für Lairg abzeichnenden Impaktstruktur: Eine präkambrische verborgene komplexe Struktur mit einem inneren Ring (Peak Ring) von 50 km Durchmesser und einem daraus abgeleiteten vollen Durchmesser von ca. 100 km.

100 km Impakt-Struktur Lairg Nordschottland Gravimetrie

Schwere-Profile des Restfeldes über die Lairg-Impaktstruktur, die einen inneren Ring (Peak-Ring) und äußere Eintiefungen vermitteln.

Übersetzung des englischen Abstract

Die negative Schwereanomalie von Lairg kann einen vergrabenen Einschlagkrater ∼40 km im Durchmesser darstellen, der das Liefergebiet für die 1,2 Ga (1,2 Milliarden Jahre) alte Stac Fada-Ejektaablagerung war, aber die Schwereanomalie ist zu groß, um einen einfachen Krater darzustellen, und es gibt keine Anzeichen für einen Zentralberg. Eine Neuanalyse der Daten der britischen Bouguer-Schwerekarte zeigt einen Ring positiver Anomalien um das zentrale Schwereminimum, was darauf hindeutet, dass es den erodierten zentralen Teil eines größeren komplexen Kraters darstellen könnte. Die inneren Ringe (Peak Rings) komplexer Krater zeigen ein weitgehend einheitliches 2:1-Verhältnis zwischen Ringdurchmesser und Gesamtkraterdurchmesser, was bedeutet, dass der angenommene Lairg-Krater bis zu 100 km groß sein kann. Dies würde den Kraterrand in einem Umkreis von wenigen Kilometern um den Ausläufer der Stac Fada-Formation platzieren, ein Ort, der nicht mit der Dicke und Größe der Ejektaablagerung verträglich ist. Wir schlagen vor, dass der mutmaßliche Einschlagkrater ursprünglich weiter östlich lag, wesentlich weiter von der Stac Fada-Ablagerung entfernt als heute, und während der kaledonischen Orogenese nach Westen an seinen heutigen Standort unter Lairg verlagert wurde. Dieses Modell erfordert, dass unter der Moine-Überschiebung in Nord-Zentralschottland eine tiefliegende Überschiebungsverwerfung existiert, analog zu den Überschiebungen von Flannan und Outer Isles.

Ergänzungen

Der hier präsentierte Artikel von Simms & Ernstson hat unschöne Begleiterscheinungen, von denen die Wissenschaft nicht verschont bleibt und was hier angesprochen werden soll.

Der Formation von Stac Fada ist vor rund 10 Jahren ihr wahrer Charakter einer Impakt-Ejektaablagerung zugeschrieben worden (Amor et al. 2008; Reddy et al. 2015). Das wurde allgemein akzeptiert, ohne dass der dazu „passende“ Krater gefunden werden konnte. Amor et.al (2008) meinten, ihn in der Nähe unter Wasser lokalisieren zu können. Stewart (2002) hatte zuvor gemeint, dass der Ursprung der Stac Fada Formation, die er als vulkanoklastische Bildung ansah, tatsächlich weiter östlich liegen müsse. Simms (2015) argumentierte ganz ähnlich und platzierte einen Krater, so er denn existierte, unter das schottische Festland. Geophysikalische Untersuchungen (Rollin 2009; Leslie et al. 2010) erkannten dann eine tiefe Schwereanomalie unter der Stadt Lairg, was durch einen Vergleich mit anderen Schwereanomalien von Impaktstrukturen Simms (2015) dazu veranlasste, dort einen Impaktkrater mit einem Durchmesser von etwa 40 km zu vermuten.

Ein neues Datenprocessing der britischen Schweredaten mit einer Fokussierung auf eine größere Region um die negative Lairg-Schwereanomalie führte zu dem nun publizierten Befund, dass der ursprüngliche 40 km-Krater als simpler Krater ohne Zentralberg so überhaupt nicht in das „Weltbild“ der Impaktforschung passen würde. Und tatsächlich ergab das neue Datenprocessing ein völlig stimmiges Bild eines komplexen Kraters mit einem Peak-Ring (siehe die Bilder ganz oben) und der Schlussfolgerung, dass der originale Lairg-Krater nach bekannten Regeln einen doppelt so großen Durchmesser wie die 50 km des Peak-Rings haben müsse.

So weit so gut. Überhaupt nicht so gut: Praktisch gleichzeitig (innerhalb weniger Tage)  mit dem Artikel von Simms & Ernstson publizierte dieselbe Zeitschrift Journal of the Geological Society einen Artikel von Amor et al. (2019): The Mesoproterozoic Stac Fada proximal ejecta blanket, NW Scotland: constraints on crater location from field observations, anisotropy of magnetic susceptibility, petrography and geochemistry. 

In diesem Artikel greifen Amor et al. mehr oder weniger dieselben Argumente auf, die Amor et al. bereits in Ihrer Arbeit 2008 für eine nahegelegene Unterwasserstruktur gebracht hatten, Argumente, die zu großen Teilen schon früher Simms kritisiert hatte.

Das wirklich Unschöne an der ganzen Sache: Der im neuen, jetzt gleichzeitig im Journal of the Geological Society erschienene Artikel von Amor et al. (2019) weist als Koautor auch Conal MacNiocaill aus. Und genau dieser Autor war der Scientific Editor (Wissenschaftlicher Herausgeber) UNSERES Artikels. Wen wundert es nun noch, dass der Review-Prozess zwischen Einreichen und Akzeptieren unseres Artikels beim Journal 498 Tage (!) gedauert hat. Offensichtlich musste erst der neue Amor et al.-Artikel fertig werden, in dem trotz Conal MacNiocaill als Koautor und gleichzeitiger Science Editor der neue Simms & Ernstson-Artikel nicht zitiert wird! Und auch in der britischen Presse wird nur über den von der Oxford-Universität lancierten Amor-Artikel als tolle Neuigkeit berichtet, ohne ein Wort zu dem 100 km-Krater, dem vermutlich größten europäischen.

Auch so funktioniert Wissenschaft.

Begleitmaterial:

Peak-Ring-Impaktkrater mit Verhältnis 1:2 Durchmessern

Einige Peak-Ring-Krater im Sonnensystem mit typischem 1:2 Durchmesser von Peak-Ring und Gesamtdurchmesser.

Peak-Ring-Impaktkrater mit Verhältnis 1:2 Durchmessern

Weitere Ergänzung: Gravimetrie – Schwereanomalien von Impaktstrukturen und Meteoritenkratern

Schwerkraftanomalien in Impaktstrukturen können aus ganz unterschiedlichen Prozessen resultieren. Kleine, einfache Krater zeigen im Allgemeinen eine etwa kreisförmige negative Anomalie (z.B. Abb. 1). Eine Brekzienlinse mit niedriger Dichte am Kraterboden, Sedimente junger Krater nach dem Aufprall und Zerbrechungen der Gesteine unter und um den Krater herum können zum Massendefizit beitragen.

Bouguer gravity map Wolfe Creek crater AustraliaBouguer gravity map Brent crater Canada

Abb. 1. Schwereanomalien der kleinen einfachen  Wolfe Creek-(Australien)  und Brent-Krater (Kanada).

In größeren, komplexen Kratern mit Zentralbergen und/oder Ringen können auch Schwerkraftanomalien komplex sein (z.B. Abb. 2, 3). Wie in einfachen Kratern verursachen Gesteinsbrüche und niedrige Dichten von Schmelzgesteine, Sueviten und anderen Brekzien negative Anomalien, und post-impakt Sedimente niedriger Dichte können auch hier im Gegensatz zu den anstehenden Gesteinen vor dem Einschlag  stehen. Darüber hinaus werden relativ positive Anomalien gemessen, wenn Gesteine höherer Dichte in der Modifikationsphase des Kraterprozesses zu den oben genannten Zentralbergen und Ringen aufgehoben wurden. Eine Schock-Lithifikation von porösem Gestein kann auch zu einer lokal erhöhten Dichte führen.

Bouguer gravity map Rochechouart impact structure FranceAbb. 2. Schwereanomalie der größeren (noch nicht ganz geklärt ca. 30 km oder 50 km) komplexen Rochechouart-Impaktstruktur (Frankreich).

Bouguer gravity map second horizontal derivative Ries impact structure Germany

Abb. 3. Schwereanomalie des komplexen Ries-Kraters; spezielle Datenbearbeitung (Berechnung des Horizontalgradienten) mit besserer Nachzeichnung von äußerem und innerem Ring (auch hier etwa ein 2:1- Verhältnis).
Bouguer gravity map Manicouagan impact structure CanadaManicouagan impact structure Google Earth satellite imagery and superimposed gravity contours
Abb. 4. Schwereanomalie der großen komplexen Manicouagan-Impaktstruktur (Kanada) und eine Zusammenzeichnung von Schwerefeld und eines Google Earth-Satellitenbildes.

In diesem Zusammenhang erweisen sich Schwerkraftmessungen als wertvolles Werkzeug bei der Untersuchung von Impaktstrukturen. Sie sind wichtig, um verborgene Impaktstrukturen zu erkennen (wie z.B. die berühmte gigantische Struktur von Chicxulub und nunmehr die 100 km-Struktur von Lairg), und sie können die ursprüngliche Größe von tief erodierten Kratern verfolgen, bei denen nur Relikte von Impaktiten auf eine Impaktursache hinweisen (wie z.B. die Rochechouart-Impaktstruktur; siehe Abb. 2).

Die Gravitations-Potentialtheorie sagt uns, dass aus der Integration über eine negative Schwereanomalie das gesamte Massendefizit unabhängig von der spezifischen Dichteverteilung berechnet werden kann. Da in Impaktstrukturen das Massendefizit mit der kinetischen Energie des Projektils zusammenhängt, sind Impakt-Energiebetrachtungen und Abschätzungen der verdrängten Massen möglich. Andererseits kann die Dichtemodellierung von Schwerkraftanomalien Details über die innere Struktur von Impaktkratern zeigen (siehe unten: Impaktstruktur des Steinheimer Beckens; Abb. 4, 5).

Bouguer gravity residual map Steinheim impact structure Germany

Abb. 4. Bouguer-Schwereanomalie der komplexen Steinheimer Becken-Impaktstruktur.

Steinheim models of gravity profiles

Fig. 5. Dichtemodelle für das Steinheimer Becken. Die Dichtemodelle belegen, das der Krater einen wesentlich größeren Durchmesser (7-8 km) als der bisher und immer noch zitierte Durchmesser von 3,8 km.

Trotz der frühen Publikation, die auch eine detaillierte morphologische Analyse bringt(Ernstson, K. (1984): A gravity-derived model for the Steinheim impact structure. – Int. J. Earth Sci., 73/2, 483-498. – http://www.springerlink.com/content/p7547v2q53745646/), werden auch in jüngeren Arbeiten (z.B. Stöffler et al. 2002, Ivanov and Stöffler 2005) sowie bei Wikipedia und in der kanadischen Earth Impakt-Datenbank diese Erkenntnisse einfach ignoriert bzw. extrem verfälschend zitiert (offenbar Methode bei gewissen Impaktforschern der sogenannten „impact community“). Dazu hier anklicken!

 

 

 

Neuer Artikel zum Chiemgau-Impakt: der Chiemit-Impaktit

Keywords astrobiology  diamond  carbyne  coalification  carbonization  meteorite impact  chiemite

Abstract
Unusual carbonaceous matter, termed here chiemite, composed of more than 90% C from the Alpine Foreland at Lake Chiemsee in Bavaria, southeastern Germany has been investigated using optical and atomic force microscopy, X‐ray fluorescence spectroscopy, scanning and transmission electron microscopy, high‐resolution Raman spectroscopy, X‐ray diffraction and differential thermal analysis, as well as by δ13C and 14C radiocarbon isotopic data analysis. In the pumice‐like fragments, poorly ordered carbon matter co‐exists with high‐ordering monocrystalline α‐carbyne, and contains submicrometer‐sized inclusions of complex composition. Diamond and carbyne add to the peculiar mix of matter. The required very high temperatures and pressures for carbyne formation point to a shock event probably from the recently proposed Holocene Chiemgau meteorite impact. The carbon material is suggested to have largely formed from heavily shocked coal, vegetation like wood, and peat from the impact target area. The carbonization/coalification high PT process may be attributed to a strong shock that instantaneously caused the complete evaporation and loss of volatile matter and water, which nevertheless preserved the original cellular structure seen fossilized in many fragments. Relatively fresh wood encapsulated in the purported strongly shocked matter point to quenched carbon melt components possibly important for the discussion of survival of organic matter in meteorite impacts, implying an astrobiological relationship.

Chiemgau-Impakt: Stand der Forschung 2017 – ausführlicher Artikel

In der renommierten Zeitschrift für Anomalistik, Band 17 (2017), S. 235 -260, ist kürzlich ein umfassender Artikel (mit Peer review) über den gegenwärtigen Stand der Forschungen zum Chiemgau-Impakt erschienen : [English translation of the German original click HERE]

Kosmische Kollision in der Frühgeschichte
Der Chiemgau-Impakt: Die Erforschung eines bayerischen Meteoritenkrater-Streufelds

von Michael Rappenglück, Barbara Rappenglück, Kord Ernstson

Zusammenfassung – „Chiemgau-Impakt“ bezeichnet ein Ereignis, das sich in der Bronze-/Eisenzeit mit der Schaffung eines großen Meteoritenkraterstreufeldes durch den Einschlag eines Kometen/ Asteroiden in Südostbayern abgespielt hat. Die Forschung ist von Anfang an interdisziplinär an- gelegt und umfasst u.a. Geologie, Geophysik, Limnologie, Archäologie, Mineralogie, Speläologie, Astronomie und historische Wissenschaften. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass sich im Gebiet zwischen Altötting, dem Chiemsee und dem Alpenrand eine große Katastrophe abgespielt haben muss. Funde von exotischem Material, das teilweise nur in Meteoriten vorkommt, durch höchste Drücke und Temperaturen und Einwirkung von Säure extrem beanspruchte und veränderte Gesteine, verschiedenste ganz ungewöhnliche Kohlenstoff-Modifikationen, Nanodiamanten, geophysikalische Anomalien, enorme, weit verbreitete Bodendeformationen und viele andere Auffälligkeiten können durch die Hypothese eines nacheiszeitlichen Impakts stimmig erklärt werden. Sämtliche in der Forschung geforderten Impaktkriterien konnten nachgewiesen werden. Der Einschlag verbunden mit einem großen Air Blast hat erhebliche regionale und wohl auch überregionale Wirkungen hervorgerufen. Menschen nicht nur aus der Region des Chiemgaus waren Augenzeugen des faszinierenden, schockierenden und verstörenden Ereignisses. Möglicherweise wurden recht genaue Beschreibungen des Ablaufs und der regionalen Auswirkungen sogar im antiken griechischen Mythos des jugendlichen Sonnenwagenfahrers Phaeton geschildert. Der Beitrag erläutert den heutigen (2017) Kenntnisstand und geht kurz auch auf die Forschungsgeschichte ein.

Die Veröffentlichung in der Zeitschrift für Anomalistik hat ihren besonderen Grund und Reiz. Dazu zitieren wir aus dem Vorwort des Herausgebers Gerhard Mayer (Gesellschaft für Anomalistik) zum Band 17:

“ … Wissenschaftliche Anomalistik, und dies wird hier ein weiteres Mal sehr deutlich, ist ein multidisziplinäres Unterfangen mit einer großen thematischen Vielfalt und Heterogenität. Denn in jeder Disziplin stößt man auf Anomalien, die aufgrund ihrer besonderen Natur aus dem Rahmen des Üblichen fallen. Sie werden in der Regel vom Mainstream ignoriert, gemieden oder bagatellisiert, und nur wenige unvoreingenommene Forscher wenden sich ihnen zu. Solche Anomalien fallen dann in den Bereich der wissenschaftlichen Anomalistik.

Nicht immer jedoch ist es für einen Außenstehenden einfach zu verstehen, warum eine wissenschaftliche These sozusagen „ausgestoßen“ wird, warum sie nicht Gegenstand einer seriösen wissenschaftlichen Untersuchung werden soll, warum sie nach Ansicht des akademischen Mainstreams nicht die Mühen der Auseinandersetzung lohnt, weswegen diejenigen Wissenschaftler, die anderer Ansicht sind, im besten Fall schräg angesehen, im schlimmeren als unseriös und pseudowissenschaftlich diffamiert werden. …. So kann man bei Pohl & Zöhn (2017: 162-163), durchaus nachvollziehbar, lesen: „Wir konnten die ‚anomalistischen Aspekte‘ der Hypothese zunächst nicht ergründen. ‚Anomal‘ schien uns vor allem die Tatsachen, dass das wissenschaftliche Establishment mit Michael Rappenglücks ‚einschlagenden‘ Argumenten offensichtlich Probleme hat.“ Sie beziehen sich dabei auf den Vortrag „ChiemGAU – Bombardement aus dem All“, der die Basis für den ersten Aufsatz dieser Ausgabe bildet. Dort wird the Theorie des sogenannten ‚Chiemgau-Impakts‘ vorgestellt, der einen von den Autoren vermuteten Kometen- oder Asteroiden-Einschlag in Südostbayern postuliert. Bestimmte Landschaftsformationen sollen damit in einem von den gängigen Annahmen abweichenden Modell erklärt werden. Dafür führen sie eine ganz Reihe plausibler und nachvollziehbarer Argumente an – zumindest was die chemischen, physikalischen – allgemein: materiellen Befunde anbelangt. Zu Recht also stellt man sich die Frage, weshalb eine solche Theorie aufgrund einer entsprechenden Behandlung durch den Mainstream in den Bereich der Anomalistikforschung gelangt. Offenbar werden hier Grenzen des gewohnten und liebgewonnenen Erklärungsraums (Deutung der Formationen als Relikte der letzten Eiszeit) der üblicherweise mit diesen Themen befassten Wissenschaftler überschritten. … “

Lunar & Planetary Science Conference (LPSC) 19. – 23. März, 2018, The Woodlands, Texas, USA – Poster Präsentationen über neue Impakte

Auf der renommierten, jährlich stattfindenden Lunar & Planetary Science Conference gibt es u.a. die folgenden Poster-Präsentationen zu neuen bzw. neu vorgeschlagenen Impakt-Ereignissen, davon zwei allein in Deutschland. Mit Nördlinger Ries, Steinheimer Becken und Chiemgau-Impakt wären das dann fünf Großmeteoriten-Einschläge auf deutschem Gebiet. Erwähnens- und bemerkenswert dabei ist, dass die Entdeckung von Chiemgau-Impakt, Saarland-Impakt und Niederrhein-Impakt ursprünglich auf Amateure in der Impaktforschung zurückgeht. – Poster und Abstract-Artikel können unten angeklickt werden.

M. Molnár, P. Švanda, L. Beneš, K. Ventura, K. Ernstson: Asphaltic (Bituminous) Breccias with Carbolite (Carbon Allotrope) and Ballen Structures in Silica as Indicative of Thermal Shock: More Evidence of a Holocene Meteorite Impact Event in the Czech Republic, Poster     Abstract

A. Ure, R. Westaway, D. R. Bridgland, T. Demir, K. Ernstson: Impact Hypothesis for the Kaş Bay Structure (Turkey/Greece) StrengthenedPoster       Abstract

R. Fox, K. Ernstson: In Honor of Doctor Robert E. Cohenour, the Great Salt Lake Astrobleme (GSLA), Revisited, Poster      Abstract

K. Ernstson, W. Müller, A. Gawlik-Wagner: The Saarlouis Semi Crater Structure: Notable Insight into the Saarland (Germany) Meteorite Impact Event Achieved, Poster    Abstract

G. Waldmann, F. Herten, M. Hiltl, K. Ernstson: The Enigmatic Niederrhein (Germany) Deposit: Evidence of a Middle-Pleistocene Meteorite Impact Strewn Field, Poster  Abstract

Der Meteoritenkrater Steinheimer Becken, der Meteorit und das angebliche Pallasit-Projektil: Wunschdenken oder wissenschaftliche Nüchternheit?

Der Meteoritenkrater Steinheimer Becken, der Meteorit und das angebliche Pallasit-Impaktprojektil: Wunschdenken oder wissenschaftliche Nüchternheit?

K. Ernstson, Fakultät für Philosophie I, Universität Würzburg

Zusammenfassung. Als große wissenschaftliche Besonderheit wird der Fund eines kleinen Pallasit-Steinmeteoriten, der durch Zufall in einem ausgestellten Kalksteinblock des Impaktkratermuseums in Steinheim entdeckt wurde, gemeldet und dieser als Bruchstück des Meteoriten angesehen, der vor etwa 15 Mill. Jahren den Krater schuf. Wahrscheinlicher ist, dass der kleine Brocken ein fossiler Meteorit aus dem Oberen Jura (vor etwa 150 Mill.Jahren) ist, so wie es z.B. beim Österplana 65-Meteoriten der Fall ist, der sich seit dem Ordovizium vor 470 Mill. Jahren in südschwedischen Kalksteinen erhalten hat. Mit dem Fund einhergehende voreilige Spekulationen über eine Eigenständigkeit des Steinheimer Beckens unabhängig vom Nördlinger Ries sind unangebracht.

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In den astronews vom 13.9. 2017 und in mehreren Medien wird eine Pressemitteilung über eine angebliche „riesige Sensation“ (Heidenheimer Zeitung) veröffentlicht, die sich auf einen ungewöhnlichen Fund im Meteorkratermuseum in Steinheim am Albuch bezieht. Dieser Fund war auch bereits Gegenstand eines Abstract-Artikels bei der diesjährigen Tagung der Meteoritical Society in Santa Fe. Die Autoren E. Buchner, M. Hölzel, M. Schmieder, M. Rasser, J. Fietzke, M. Frische und  S. Kutterolf berichten über einen Zufallsfund eines etwa zwei Zentimeter großen Pallasit-Meteoriten, der aus einem im Museum ausgestellten jurassischen Kalksteinblock mit Shattercones herauspräpariert worden war.

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Artikel: Das Digitale Geländemodell in der Impakt-Forschung

DGM 1 Meteoritenkrater

Das in Deutschland bei sehr vielen Ingenieur- und Geologie-Büros nicht bekannte und allenfalls selten benutzte Digitale Geländemodell (DGM) mit seinen fantastischen Möglichkeiten in Geologie, Hydrogeologie und Ingenieur-Geophysik wird in dem Artikel als Beispiel für eine spezielle Anwendung in der Impaktforschung dargestellt, wo es bisher von der sogenannten „impact community“ offensichtlich auch noch nicht wahrgenommen wurde. Grundlage sind LiDAR-Daten der Erdoberfläche in einem regelmäßigen Raster bis hinunter zu 1 m bei einer Höhenauflösung von 20 cm (DGM 1) – mit Interpolation auch geringer. Damit können besondere Merkmale insbesondere junger Meteoritenkrater präzise aufgedeckt werden, die bei Geländearbeiten und in topographischen Karten niemals erkannt werden. Unschätzbare Eigenschaft des DGM: Die reine Erdoberfläche wird unabhängig von Vegetation und selbst in dichten Wäldern vermittelt. (X,Y,Z)-Dateien werden zu sehr passablen Preisen von den zuständigen Ämtern geliefert (in NRW auch kostenlos zum Herunterladen) und können mit einem Daten-Processing (Filterverfahren, Gradientenbildungen etc.) zu diversen Kartendarstellungen und Gelände-Profilen führen.

Der Artikel kann HIER angeklickt und heruntergeladen werden. Quellenmaterial (Daten des Digitalen Geländemodells): Geobasisdaten Bayerische Vermessungsverwaltung

Neues aus der Welt der Impaktstrukturen, Meteoritenkrater und verwandter Themen – Folge 5

Das Tunguska-Ereignis von 1908 und der Cheko-See – gehört beides zusammen?

Über das Tunguska-Ereignis im Jahr 1908 müssen hier nicht mehr viele Worte verloren werden. Obgleich immer wieder  Aussenseiter-Hypothesen (teilweise in fragwürdigen  TV-Dokumentationen) propagiert werden, ist die Wissenschaft heute davon überzeugt (und das wohlbegründet), dass es sich um eine Impakt-Explosion eines Kometen oder Asteroiden in der Atmosphäre gehandelt hat. Das Hinterfragen von „Mainstream“-Ansichten bzw. Lehrbuch-Wissen hat grundsätzlich Berechtigung in der Wissenschaft, aber im Fall der kosmischen Tunguska-Explosion hat es bisher keine der Alternativ-Hypothesen (vom explodierten Mückenschwarm, über Methangas-Explosion bis hin zum gestrandeten Raumschiff) geschafft, ernsthaft an der allgemein akzeptierten Vorstellung zu kratzen.

Etwas anders verhält es sich mit einer Forschung im Zusammenhang mit dem Tunguska-Ereignis. Um die Jahrtausendwende unternahm eine italienische Forschergruppe aus Bologna unter der Leitung von Luca Gasperini eine Forschungsreise in das damalige Katastrophengebiet zu einem schüsselförmigen See (dem Cheko-See) mit einem Durchmesser von etwa 500 m. Er liegt grob 8 km entfernt vom damaligen Zentrum der Zerstörungen am Grund und wurde von der Bologna-Gruppe dann als der zum Tunguska-Ereignis gehörende Einschlag-Krater gedeutet, was vor allem auf geophysikalischen Messungen (Seismik, Geomagnetik) basierte. 2007 wurde über einen solchen möglichen Zusammenhang ein Artikel publiziert (L. Gasperini et al. (2007): A possible impact crater for the 1908 Tunguska Event, Terra Nova, 19, 245–257), der im Jahr darauf – man möchte fast sagen – prompt eine Entgegnung mit Ablehnung aus der etablierten Impakt-Forschung zur Folge hatte (Collins, G.S., Artemieva, N., Wünnemann, K., Bland, P.A., Reimold, W.U. and Koeberl, C. (2008): Evidence that Lake Cheko is not an impact crater. Terra Nova, 20, 165–168). Weltweit berichteten die Medien über die Auseinandersetzung, die aber bald völlig in den Hintergrund trat und eine Entscheidung – für oder dagegen – offen ließ.

Nunmehr, am 23 Januar 2017 berichtet The Siberian Times in der Wissenschaftssparte über einen neuen Anlauf russischer Wissenschaftler aus Krasnoyarsk und Novosibirsk, den Ursprung des Cheko-Sees zu klären und sich mit der Hypothese der Italiener auseinanderzusetzen. Bei den neuen Untersuchungen ging es um das Alter der Sedimente am Seeboden, das offensichtlich mit der Radiokarbon-Methode (radioscopic analyses im Originaltext) zu 280 Jahren für die tiefsten Sedimente bestimmt wurde. Damit wäre der See älter als das Ereignis. Ein vollständiger Artikel dazu soll im Sommer erscheinen. Falls sich die Radiokarbon-Datierung als das Hauptargument herausstellen sollte, müssen schon jetzt Bedenken angemeldet werde. Es ist kein Geheimnis, dass 14C-Datierungen von sehr jungen Impakten vielfach erheblich falsche Ergebnisse gezeitigt haben, und die Gründe sind nicht schwer auszumachen. Durch die extremen physikalischen Bedingungen mit extremen Temperaturen und extremen Drücken, vermutlich mit Plasma-Bildung verknüpft, kann es zu erheblichen Verschiebungen im Gleichgewicht der Kohlenstoff-Isotope kommen – und damit zu absoluten Fehlbestimmungen des Alters von Impakt-Strukturen/Meteoritenkratern.

So weit so gut. Oder auch nicht. Die russischen Forscher werden damit umzugehen haben; dagegen auf einer anderen Ebene liegt diese fehlgeleitete Wissenschaft(?):  Wir erinnern an die unsägliche Radiocarbon(14C)-Datierung am Tüttensee-Meteoritenkrater des Chiemgau-Impaktes, die das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), Abteilung Geologie, im Jahr 2010 vorgenommen hat, worüber wir an anderer Stelle ausführlicher berichtet haben unter dem Titel:

 

Der Chiemgau-Impakt: die irreführende Bohrung des LfU, die Internet-Diskussion und Wikipedia

oder: Wie Verfälschungen in der Wissenschaft funktionieren.

Anklicken oder das PDF herunterladen!

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